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Orangen, Zucker und Maisstärke = Jalea de Naranjas

Bereits in meinem letzten Blog „Die Zeit rennt... Einblick in das Arbeitsleben einer Freiwilligen“ habe ich beschrieben, wie umfangreich und vielfältig die Arbeitsaufgaben einer Freiwilligen sein können. Heute möchte ich euch etwas genauer berichten, wie ich die Marmelade bzw. das Gelee mache, das von nun an auf dem örtlichen Markt verkauft wird.

Ziel der Herstellung neuer Produkte ist es, aus dem bestehenden Potenzial der Esperanzita ein Maximum an Einnahmen für die Finca zu generieren. So sollen aus der bisher ungenutzten Kokos oder aus den nur wenig gewinnbringenden Früchten wie z.B. den Orangen, durch die Verarbeitung zu Sirup oder Gelee, größere Einnahmen erzeugt werden. Nach meinen ersten Probeversuchen zur Herstellung von Marmelade mit Viriba, Kokos, Bananen oder Mamón Chino, sowie einem weiteren Testlauf zur Produktion von Sirup aus Kokoswasser und -fleisch, Zitrusfrüchten und Vanille, habe ich mit Lea diese Woche die ersten 20 Gläser Orangengelee für den Verkauf auf dem örtlichen Bauernmarkt (Mercado campesino) produziert.
Die Herstellung gestaltete sich jedoch schwieriger als bei den Testläufen auf dem Gasherd, da auf der Finca Esperanzita über Holzfeuer gekocht wird. Die damit im Zusammenhang stehende Rauchbildung sowie die schwer kontrollierbare Hitzeregelung erschwerte diesen Prozess unerwartet. Das Resultat waren tränende Augen sowie bei dem ersten Versuch überkochender Gelee. Zwei weitere Versuche folgten. Und so wurden aus 40 Bioorangen, knappen 4kg Zucker, ca. 300g Maisstärke sowie 4 Stunden Arbeit insgesamt 20 Gläser Orangengelee. Ein stolzes Ergebnis! Resultat: Es hat sich in den letzten Wochen gezeigt, dass sich dieses neue Bioprodukt sehr gut auf dem örtlichen Bauernmarkt verkaufen lässt. Es sind mittlerweile alle Gläser verkauft und es konnte aus den Orangen ein 15-facher Gewinn erzielt werden. Ein weiterer Schritt zugunsten des organischen Anbaus ist getan. Nur schade, dass nun die Orangenzeit vorbei ist. So werden wir in naher Zukunft auf das Bananen-Kokos-Marmeladen-Rezept zurückgreifen.

5.3.15 00:35


Die Zeit rennt...

Einen Einblick in das Arbeitsleben einer Freiwilligen

 

Nun ist es wieder so weit, nach bestimmt anderthalb Monaten komme ich dazu, meinen Blog um einen Beitrag zu erweitern. Es ist erstaunlich, wie schnell Woche um Woche vergeht. Die Zeit rennt schneller als ich die notwendigen Aufgaben abarbeiten kann.

Doch was genau macht eine Freiwillige, die sich in Nicaragua Stück für Stück für die Umwelt einsetzt? Was macht Sie an einem Ort namens Nueva Guinea, an dem die konventionelle Landwirtschaft, Viehhaltung und Besiedlungen vor 50 Jahren den Regenwald verdrängt haben und im Zuge des Baus des Nicaraguakanals auch zukünftig weiter verdrängen werden?

Meine Aufgaben hier sind so vielfältig, wie es Wochentage gibt. Natürlich stehe ich nicht am Rande des Biosphärenreservates und stelle mich solchen Bauern in den Weg, die durch Abholzung kurzweilig neue Flächen für Viehweiden und die Anlegung von monokultiver Landwirtschaft gewinnen. Meine Arbeit besteht stattdessen hauptsächlich in der Unterstützung der lokalen Biobauernorganisation „Sano y Salvo“ (gesund und munter), die sich präventiv für die Ausweitung der biologischen Landwirtschaft in Form des Agroforstes einsetzt.

Was bedeutet dies genau? Wir befinden uns im Südosten Nicaraguas, in einer Region der feuchten Tropen, deren Ökosystem normalerweise aus Regenwald besteht. Die Degradierung (Zerstörung bzw. Umformung) dessen zugunsten von Landwirtschaft zieht allerdings Probleme wie Bodenerosionen und Unfruchtbarkeit des Bodens nach sich, die schon wenige Jahre nach der Umformung auftreten. Dem unfruchtbaren Boden treten 99,7% der Bauern mit chemikalischen Düngemitteln entgegen. Bauen sie zudem Produkte (wie z.B. Ananas oder Kaffee) in Form der Monokultur an, setzen Sie zusätzlich Schädlingsbekämpfungsmittel ein. Diese Form der Landnutzung ist jedoch nur zeitlich begrenzt möglich. Anschließend liegen die Flächen meist brach und die Bauern müssen auf neues Land ausweichen.

Eine Lösung die weitere Urbarmachung von Primärwald zu verhindern, ist die Verbreitung der Anbaumethode der Agroforstwirtschaft. Bei diesem Produktionssystem werden Elemente der Landwirtschaft mit der der Forstwirtschaft kombiniert. Das bedeutet, dass Schatten spendende mehrjährige Hölzer (Fruchtbäume, Palmen und Nutzhölzer) mit einjährigen Nutzpflanzen kombiniert angebaut werden. Der Vorteil dessen ist, dass die Humusschicht und damit Fruchtbarkeit des Bodens erhalten bleibt, Austrocknung vermieden wird und somit eine dauerhafte Bewirtschaftung möglich ist. Durch die Aufforstung wird zudem Stück für Stück ein kleiner Beitrag für die Umwelt und gegen die Klimaerwärmung geleistet, da die zusätzlichen Hölzer CO2 binden und Sauerstoff produzieren.

All dies klingt zunächst ausschließlich positiv, oder? Der Haken ist jedoch der, dass die Bewirtschaftung innerhalb eines waldähnlichen Systems zum einen wesentlich umständlicher ist, zum anderen durch die Biodiversität viel mehr Produkte mit kleineren Erträgen erzielt werden.

Meine Arbeit bei Sano y Salvo und in der Stiftung Esperanzita mit ihrer Modellfinca besteht daher vor allem in der Unterstützung der Verbreitung und Akzeptanz der Agroforstsysteme. Die Aktivitäten hierfür sind sehr vielfältig, finden aber im Wesentlichen auf der Finca Esperanzita, dem örtlichen Bauernmarkt sowie im Büro statt. Neben der wöchentlichen Zusammenkunft mit unserem Verantwortlichen und der monatlichen Partizipation an Vereins- und Biobauernversammlungen sind meine Arbeitsaufgaben bisher folgende:

  1. Arbeit auf der Modellfinca Esperanzita:
    - Ziel ist es die Arbeitsabläufe einer organischen Produktion einmal kennenzulernen, um schließlich Verbesserungsvorschläge zu den Produktionsabläufen machen zu können. Bisher durfte ich V., dem Hauptangestellten der Finca, bei der Ernte, Selektion und Fermentation von Kakao helfen. Darüber hinaus habe ich die Arbeit des Kakaobaumbeschnittes kennengelernt und bei der Nachpflanzung von Kakao-, Kaffee- und Mamón Chinobäumen geholfen. Die Ernte der Perjibaye sowie Mamón Chino usw. gehört genauso zu der Arbeit auf der Finca, wie das Herstellen von Zimt. Da gegenwärtig die Kaffeesaison beginnt, werde ich mich wahrscheinlich bald auch bei der Ernte des Kaffees beteiligen.

  2. Mitarbeit für, Verkauf auf und Aufbesserung der Produkte für den Mercado Campesino:
    Alle zwei Wochen arbeite ich auf dem, immer freitags stattfindenden, örtlichen Markt der Bauern. Dort werden ohne Zwischenhandel die Produkte direkt an den Verbraucher verkauft. Genau wie auf der Finca zielt die Mitarbeit meinerseits darauf ab, die Produkte, Preise, Abläufe sowie Nachfrage kennenzulernen und diese Kenntnisse in die Kalkulation der Produktionskette einfließen zu lassen.
    Zu dieser Arbeit gehört auch die Erweiterung des Marktes mit neuen Produkten, die möglicherweise ein Zusatzeinkommen für die Esperanzita generieren könnten. Meine erste Idee war die Herstellung von Marmelade und Gelee aus Biofrüchten der Esperanzita wie z.B. Viriba, Kokos, Bananen oder Mamón Chino. Später kamen weitere Testläufe zur Produktion von Sirup aus Kokoswasser und -fleisch, Zitrusfrüchten und Vanille hinzu.

  3. Besuch der Mitglieder von Sano y Salvo, Durchführung der „Inspección Interna“ und Zählungen des Kakao- und Kaffeebestandes:
    Unter der Inspektion verstehen sich der jährliche Besuch und die Begutachtung/Kontrolle der organischen Fincas, die bereits Mitglieder bei Sano y Salvo sind. Hierbei wird der Zustand der Finca (Pflanzen, Düngemittel, Tiere,...) erfasst. Um einen externen Blick zu gewährleisten, werden in der folgenden Inspektionsperiode Julian und ich die jeweiligen Zuständigen begleiten.
    Seit den letzten beiden Wochen führen wir zwei dagegen allein die Inspektion der Vorbild-Finca La Esperanzita, die dürftig gepflegte Nachbarfinca von E.R. sowie demnächst die kleine Finca von A.R. durch. Hierbei steht vor allem die Zählung der gewinnbringenden Exportprodukte Kaffee, Kakao und Vanille im Vordergrund. Ziel dessen ist es, den Agroforst als alternative Entwicklungsoption gegen den Bau des Nicaraguakanals aufzuzeigen.

  4. Büroarbeiten:
    Ca. 60% der wöchentlichen Arbeitszeit verbringe ich im „Büro“ - d.h. hauptsächlich vor dem Computer. Unser Büro befindet sich in einem Extrazimmer in unserem Haus, da bei Sano y Salvo nur unzureichend Platz für zwei Freiwillige wäre. Zudem ist die technische Ausstattung (Wlan) dort eher dürftig. In dieser bürokratischen Arbeitszeit fallen vor allem Zuarbeiten für die GATO (Grupo de Asistencia Técnica Orgánica de Sano y Salvo - dt. Gruppe zur Hilfe organischer Technik), konzeptionelle Arbeiten, Berichterstattungen sowie der tägliche Schriftverkehr zwischen den Organisationen an. In der Vergangenheit habe ich hier zusammen mit meinem Mitfreiwilligen eine 12-seitige Informationsbroschüre der örtlichen Stiftung für ökologische Bildung (Edu-Eco-Alliance - wozu auch die Esperanzita gehört-) aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Darüber hinaus recherchiere ich nach Sponsoringmöglichkeiten mit denen zum einen die Beratungsbesuche der Biobauern, Workshops sowie eine Grundausstattung neuer Biobauern von Sano y Salvo finanziert werden können. Daran anknüpfend suche ich nach Partnern, die für das vorhandene Speicherpotenzial der Agroforstflächen Kompensationszahlungen leisten oder die Aufforstung hunderter Kilometer entwaldeter Flussufer finanzieren würden.
    Eine andere Aufgabe besteht in der computertechnischen und wissenschaftlichen Begleitung des Koordinators O.L. von Sano y Salvo während seines zweijährigen Fernseminars des INOFO Programms (dt. Internationales Netzwerk organischer Farmer Organisationen
    ). Hierbei muss er zwei Hauptaufgaben bearbeiten: Zum einen wird er während dieser Zeit ein Projekt durchführen, innerhalb dessen er die Qualität und Quantität der ökologischen Produktion bei den ca. 108 Sano y Salvo-Mitgliedern in der südöstlichen Biosphäre Nicaraguas (RAAS) erhöhen will. Zum anderen soll er bis zum Anfang des Jahres 2015 all solche Bauernorganisationen in Zentralamerika identifizieren, die die Agrarökologie fördern / praktizieren und organisch produzieren.
    Neben den freiwilligen Arbeiten, die ich für den örtlichen Verein leiste, muss ich mit meiner Entsendeorganisation regelmäßig Kontakt halten. Dazu kommt die tägliche Führung eines vorgefertigten Tagebuches, die bestenfalls wöchentliche Erstellung eines Blogs, monatliche Endabrechnungen, monatliche spanische Arbeitsberichte für die Mitglieder des örtlichen Vereins und quartalsweise Berichterstattungen für das BMZ. Darüber hinaus sind wir vertraglich dazu angehalten, einen Teil der Kosten die wir dem kleinen Verein Pro Regenwald verursachen durch die Akquirierung von Spenden auszugleichen. Diese Verpflichtung zielt jedoch vor allem darauf ab, unsere freiwillige Arbeit und den Zustand unserer Umwelt bekannt zu machen. Auch andere Menschen sollen sich für unsere Welt interessieren und vor allem dafür verantwortlich fühlen!
    Hieran anknüpfend zählt es zu meinen Aufgaben mich bestmöglich über die Vorgänge vor Ort (und ggf.) international zu informieren, diese zu sammeln und international zu „publizieren“. Dies betrifft insbesondere die Thematik des Baus des Nicaraguakanals, der hier in Nicaragua ein ökologisches sowie auch soziales Desaster (Vertreibung der Bauern von ihren Fincas) produzieren wird.

  5. Zukünftige kreative Arbeiten
    Als ehemalige Architekturstudentin sowie mal- und layoutbegeisterte Freiwillige gehören auch andere kleine kreative Aufgaben zu meiner Arbeit. In diesem Sinne werde ich zukünftig das Schild der lokalen ökologisch orientierten Montessorischule (170 x 90cm) sowie das der Esperanzita (200 x 400cm) neu malen.
    Darüber hinaus soll eine Broschüre über die
    Pflanzen im Agroforst der Esperanzita, sowie über die ökologische Produktion hier entstehen. Um die Darstellung des Vereins Sano y Salvo nach außen hin repräsentativer zu machen, ist es auch mein Ziel für diesen eine informative und aussagekräftige Homepage zu erstellen. (Wen jemand darin bereits Erfahrung hat und mich dabei unterstützen möchte, bitte melden!).


Geschafft! Nun haben Sie, liebe Leser, einen Eindruck, was ich als umweltinteressierte Freiwillige in Nicaragua täglich mache. Und vielleicht versteht der eine oder andere auch, dass die Zeit in Anbetracht dieses Aufgabenkataloges zwischen den Finger wegrinnt. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn Ihrerseits Fragen entstanden sind und diese unten kommentiert werden. Gern soll sich hier eine rege Diskussion entwickeln und Unklarheiten bereinigt werden. Ich möchte wissen, was die Menschen in den Entwicklungsländern wissen wollen, und wo ein weiterer Aktionsradius besteht. Denn: Unsere Umwelt und die Produktion unseres Essens ist viel zu wichtig, als das wir uns zu den Umständen nur belesen sollten. Wir müssen versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu handeln!

22.12.14 17:21


Liebe Familie,

ich weiß ihr meint es gut, doch bitte schickt kein Paket nach Nicaragua. Es wäre schade, soviel Geld nur für das Porto in den Wind zu setzen. Abgesehen davon, ob und wann es überhaupt ankommt. Wenn ihr mir aber unbedingt eine Freude machen wollt/ mich und / oder meine Organisation hier vor Ort bei unserer Arbeit für die Umwelt unterstützen wollt, gibt es andere Möglichkeiten über die ich mich mehr freuen würde. Sprecht mich einfach darauf an... Dann verrate ich es euch  !

eure Sarah

10.12.14 15:57


Widersprüchlichkeiten (2.Teil)

/// Lebensmittel /// 

In meinem letzten Blog habe ich ausführlich über das Thema Wassermangel, der Verschwendung von (Frisch-)Wasser sowie in diesem Zusammenhang über die Wichtigkeit des kostbaren Guts berichtet.

Während meines dreiwöchigen Aufenthaltes in Nicaragua sind mir ebenso Gegensätzlichkeiten im Umgang mit Lebensmitteln aufgefallen. Wie schon erwähnt gehört Nicaragua zu den ärmsten Ländern der Welt (In Lateinamerika ist Nicaragua heute nach Haiti sogar das zweitärmste Land). Nach meinem Verständnis müsste daher der Umgang mit Rohstoffen, in diesem Fall Nahrungsmitteln, sehr feinfühlig sein. Ganz in dem Sinne „Wer wenig hat, der teilt es sich gut ein“, bin ich blauäugig davon ausgegangen, dass das „Essen“ einen sehr wichtigen Stellenwert für die Menschen hier hat.

In der Zeit in der ich in meiner Gastfamilie wohnte musste ich jedoch erfahren, dass es auch in einem sehr armen Land Bevölkerungsschichten gibt, die über genügend Geld verfügen um sich nahezu alles leisten zu können. Dies beinhaltet sowohl den täglichen Verzehr von Fleisch, als auch einen gewissen Überfluss. Letzterer zeigte sich vor allem nach den Mahlzeiten. Immer wieder blieben Reste von Gallo Pinto, Reis, Gemüse oder sogar mal Fleisch auf den Tellern liegen. Immer wieder wurden Teile von den Vormahlzeiten trotz essbarer Qualität später entsorgt. Der Grund hierfür ist zumeist der, dass dieser nicht für die ganze Familie reiche. Ich musste auch die Erfahrung machen, dass mitunter „Fastfood“ gekauft wird, trotz dessen noch genügend Reste übrig sind. Insgesamt kommen bei der 5-köpfigen Familie in ca. drei Tagen ein Essensüberschuss in der Größe eines 5-Liter-Eimers zusammen.

Zwei Lichtblicke gibt es jedoch für mich: Zum Glück scheint es nicht bei allen Familien so zu sein. Mein Mitfreiwilliger wohnt in einer Gastfamilie, in der es häufiger schlichtes Essen und weniger Fleisch gibt. Seine Erfahrungen bezüglich des Stellenwertes von Essen sind bessere. Er habe bisher noch nicht erlebt, dass Lebensmittel weggeworfen werden.

Ein zweiter kleiner Lichtblick ist der, dass in meiner Familie die Essensreste wenigstens separat gesammelt und von einem Bauernjungen für die Tiere abgeholt wird. Sie gehen also nicht verloren, sondern bleiben dem Rohstoff-Kreislauf erhalten.

Eine sehr positive Erfahrung habe ich jedoch schon im Bereich der Gastfreundschaft gemacht. Egal wie viel oder wenig eine Familie besitzt... die Menschen in Nicaragua sind so freundlich, dass sie auch ihre letzte Schüssel Gallo Pinto (Bohnen mit Reis) mit ihrem Gast teilen würden. Zeitgleich wird dafür keinerlei Gegenleistung erwartet - egal wie arm oder reich ihr Besucher ist, egal ob er oft kommt oder nicht -. Möchte man sich für diese Gastfreundschaft revanchieren, kann man dies eigentlich nur über das Mitbringen von kleineren Gefälligkeiten wie Früchten oder etwas selbst Gekochtes tun.

Die Menschen hier in Nueva Guinea (vor allem die, die weniger besitzen) sind so liebenswert, dass jedes Essen oder Treffen eine kleine Reise zum Herzen ist. Es wird viel gelacht, gescherzt und auch liebevolle Berührungen gehören zum Alltag. Ich würde mich freuen, wenn diese bedingungslose und sehr herzliche Gastfreundschaft in Deutschland ebenfalls zum Alltag werden würde.

26.10.14 00:39


Widersprüchlichkeiten (1.Teil)

/// Wasser ///

Wie in meinem letzten Blog berichtet bin ich wohlbehalten in meiner, für das nächste Jahr als solche zu bezeichnende, Heimatstadt Nueva Guinea gelandet. Liebe Leser, ich verzichte darauf jeden einzelnen Tag im genauen auszuführen. Vielmehr möchte ich in meinen Erzählungen solche Umweltangelegenheiten fokussieren, die ich entweder nicht nachvollziehen kann oder die ich als vorteilhaft gegenüber der deutschen Lebensweise erachte.

Plup, plup, plup . . . Beginnen wir mit dem Thema Wasser. Wasser spielt in Nicaragua eine wichtige Rolle. Warum? Der Hauptgrund ist die große Hitze sowie die eingeschränkte Verfügbarkeit v.a. in der Trockenzeit. Nicaragua liegt in der Zone der feuchten Tropen. Durch Abholzung und die Degradierung des Regenwaldes hat sich die Gesamtniederschlagsmenge jedoch bereits um 50% reduziert. Die Konsequenz dessen ist u.a. dass während der Tageszeit oder gelegentlich mehrere Tage lang kein fließend Wasser verfügbar ist. Trotz dessen spielt Körperhygiene und frische, saubere Kleidung eine außerordentliche Rolle. Kleidungsstücke werden maximal einen Tag getragen und anschließend mit Hand gewaschen. Geduscht wird in Anbetracht der Hitze ebenfalls mindestens einmal täglich und anschließend immer Deodorant und Parfum benutzt. Um trotz des eingeschränkten Wasservorrats diese Hygienestandards einhalten zu können, verfügt jede Familie über einige Wassertonnen oder evt. einen Wassertank, mit Hilfe derer sie die „wasserlose Phasen“ überbrücken kann.

  

Für mich völlig unverständlich ist jedoch der völlig verschwenderische Umgang mit dem kostbaren Gut. Dazu gehören Aspekte wie: 1) Die Kleidung zu waschen, auch wenn sie nicht schmutzig ist. 2) Die Großzügigkeit mit der jedes EINZELNE Kleidungsstück gewaschen und gespült wird. Aus Gründen der Sparsamkeit würde ich stattdessen viele Kleidungsstücke gemeinsam in einem Behälter waschen. 3) Waschmaschinen sind aus Kostengründen nur in sehr wenigen Haushalten zu finden (Ich habe bisher nur eine verrostete gesehen). Mithilfe dieser könnte jedoch einiges an Wasser, aber auch an Arbeitszeit gespart werden. (Zusatz: Wenn es sich eine Familie leisten kann, hat sie evt. eine waschmaschinenähnliche Maschine. Diese ist zweigeteilt. In dem einen Abteil werden für etwa zehn Minuten ca. 3kg Wäsche in Wasser bewegt. Anschließend wird sie ausgewrungen, manuell gespült und in die daneben liegende Schleuder getan.) 4) Ein weiterer verschwenderischer Umgang mit Wasser geschieht beim Küchenabwasch. Dieser wird unter der ständigen Hinzufügung von Seife, entweder unter dauernd fließend Wasser oder mit einer Schüssel schöpfend, erledigt. Wassermengen von min. 20-30 Litern pro Abwasch werden hier schnell verbraucht. 5) Zu guter Letzt tropft in meiner Gastfamilie seit Wochen der Wasserhahn in der Küche im Sekundentakt. Ein „NO-GO“, wie ich finde! Deshalb habe ich, neben dem Ansprechen des Problems, temporär dafür gesorgt, dass das Wasser aufgefangen wird.

                          

Es gibt jedoch auch positive Punkte, deren Nachahmung in Deutschland nicht verkehrt wäre. Es wird hier in den Tropen zum Beispiel für ALLES (Abwasch, Wäsche, Duschen und Co.) nur kaltes Wasser genutzt. Dies spart eine Menge Energie und schont die Umwelt.

Des weiteren wird das Toilettenpapier nicht in das WC sondern immer in einen daneben stehenden Behälter geworfen. Dies würde bei uns in Deutschland bestimmt einen nicht unerheblichen Teil an der Abwasserreinigung ersparen. Hierzulande liegt der Grund jedoch in dem Toilettenpapier. Da es sich nicht - wie bei uns - im Wasser zersetzt, würde es die Toiletten verstopfen.

Hierbei stellt sich nun die Frage: Was passiert mit dem Abwasser?Dies sowie andere Widersprüchlichkeiten gibt es in einem nächsten Blog.

Bis bald. eure Sarah

21.10.14 06:14


Aufmerksamkeit und Schlafmangel:

Abenteuerliche Reise zu unserem Projektstandort in Nicaragua

Anders als unsere Mitfreiwilligen in Costa Rica leisten Julian und ich als einzige Entsendete ihren Freiwilligendienst in Nicaragua. Wir traten am 1.10.14, zusätzlich zu der langen Reise von Deutschland nach Costa Rica, eine weitere Tagesfahrt (21h) von San José zu unserem Projektstandort in Nueva Guinea an. Nach nur wenigen Stunden Schlaf ging es 5 Uhr mit mehr als 30 kg Gesamtgepäck los zum Busbahnhof der Tica-Busse. Mehr als 1,5 km Fußmarsch haben wir so geleistet. Durchschwitzen war auch in den Morgenstunden inbegriffen.

Nun stand uns die erste kleine Spanisch-Sprach-Hürde bevor: Das Einchecken in den Bus, das Ausreisevisum bezahlen und schließlich im Bus fragen, ob jemand mit uns den Sitzplatz tauscht, damit wir die Busreise nebeneinandersitzend erleben können.

Alles geschafft konnten wir uns in dem doch sehr gemütlichen Reisebus entspannen und die bergige, grüne Landschaft Costa Ricas genießen. Doch von vielen Freunden vorgewarnt, waren wir stets aufmerksam und versuchten uns beim Schlaf abzuwechseln. In dem nächsten Bus Richtung Nueva Guinea wurde uns jedoch klar, dass wir die erste Fahrt zum Schlafen hätten nutzen sollen, denn mit der „Aufmerksamkeit“ war vielmehr die nicaraguanische Strecke gemeint. Auf der zweiteren herrschte nämlich ein stetiges Ein- und Aussteigen.

Unsere Reise ging erst einmal quer durch Costa Rica bis zu dem Grenzübergang westlich des Nicaraguasees. Dort erwarteten uns zwei schon befremdliche Grenzabläufe. Man stieg auf costaricanischer Seite aus, füllte Zettel aus und bekam seinen Ausreisestempel. Anschließend ging es zurück in den Bus, es wurden die Pässe sowie 14$ eingesammelt und man fuhr auf die nicaraguanische Grenzseite. Nach einer längeren Wartezeit mussten wir das Hauptgepäck aus dem Busbauch auf ein riesigen Inspektionstisch legen, um ihn gegebenenfalls durchsuchen zu lassen. Wir hatten jedoch das Glück nur den Trekkingrucksack öffnen zu müssen und das Innere ein bisschen anzuheben. Nach der Schwitzaktion bei 35°C und 90% Luftfeuchtigkeit waren wir super glücklich wieder in dem klimatisierten Bus steigen zu können.

Die Reise ging nun weiter über Rivas, Granada und Masaya nach Managua – der alles gefürchteten Stadt – in der wir zum einen unsere Dokumente übersetzen lassen und andererseits schnellstmöglich in einen Überlandbus in Richtung Nueva Guinea umsteigen mussten.

Gut „abgezockt“ von den Taxifahrern konnten wir jedoch alles erledigen und es uns abends von 18 Uhr bis 21:30 Uhr am Busbahnhof „gemütlich“ machen, um auf unsere Nachtfahrt nach Nueva Guinea zu warten. Diese Zeit am Bahnhof verbrachten wir primär damit, uns auf das „Wachbleiben“ und auf unsere Umgebung zu konzentrieren. Lustigerweise widerfuhren uns komische Aktionen, die wir nicht so recht einordnen konnten. Zum einen wollte uns der Busfahrer Geld andrehen und seine Bustickets zurück, anschließend bezahlte er nach einer kurzen Handelaktion für Julian die „Brote“. Zudem kam später noch ein junger Mann und wollte uns sein Handy in die Hand drücken. Nach mehrmaligen schlechtem Nachfragen auf Spanisch erfuhren wir, dass sich am anderen Ende der Leitung eine Deutsche befand, um uns unseren Ort zum Aussteigen und unseren Schlafplatz durchzugeben. Auch das konnten wir also spontan noch klären. Super!

Nun begann also unsere nächtliche Geisterfahrt durch das dunkle Nicaragua. Am nächsten Tag um 3 Uhr in der Früh kamen wir schließlich völlig übermüdet in unserem Projektstandort an und konnten nach einer zweistündigen Einweisung dann doch endlich ins Bett fallen. Geschafft! Wir sind nach 21 Stunden endlich in unserem Projektstandort in Nueva Guinea gelandet. Nun schauen wir wie es weiter geht! Hasta luego!



9.10.14 20:36


Erste Erzählungen zu den Bedingungen in Nicaragua – Was wird uns dort erwarten?

Als eine von den beiden zukünftigen Freiwilligen, die ihren vollen Einsatz in Nicaragua zeigen werden, möchte ich in diesem Blog über die ersten Erzählungen berichten. Die meisten unserer Informationen habe ich von Benedikt, unserem vorherigen Freiwilligen, sowie Miguel, dem Geist Arbofilias, erworben.

Laut meines kleinen Spanischsprachführers für Nicaragua ist das Land im Wesentlichen durch Armut geprägt. Es ist nach Haiti das zweitärmste Land Mittelamerikas. Dies hat eine weitreichende Emmigration zur Folge, durch die sich die traditionellen gesellschaftlichen Strukturen auflösen.

Fast die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung ist arbeitslos bzw. unterbeschäftigt. Anders als bei uns, erhalten diese Menschen keinerlei staatliche Unterstützung und leben daher im Elend. Diebstahl ist daher vor allem in größeren Städten wie z.B. in Managua an der Tagesordnung. Allerdings muss man hierbei noch einmal deutlich machen, dass man mit der Beachtung einiger Grundregeln weitaus weniger gefährdet ist. Da jedoch die Kriminellen meist bewaffnet sind, sollte man sein Hab und Gut im Falle eines Übergriffes widerstandslos abgeben.

Laut den vielen (teils sehr ins Philosophische abweichenden) Erzählungen Miguels ist das Land jedoch vor allem von politischen, ökologischen sowie ökonomischen Diskrepanzen bzw. Problemen geprägt. Vor allem im Norden Nicaraguas soll ein reger Waffenhandel mit den Russen herrschen. Die Bevölkerung Nicaraguas wird gegen die südlichen Nationen (vor allem Kolumbien, evt. auch Costa Rica) mobilisiert. Das teils schwierige politische Verhältnis zwischen Costa Rica und Nicaragua wird beispielsweise auch an dem Bauprojekt eines zweiten Grenzüberganges (in Form einer Brücke) im Südosten Nicaraguas deutlich. Trotz dass seitens Nicaraguas Rohstoffe, Arbeitskräfte sowie die örtliche Infrastruktur vorhanden ist, gibt es auf costa ricanischer Seite keine Übereinkunft. Hierbei muss jedoch erwähnt werden, dass über den Grenzübergang im Südwesten derzeit der gesamte mittelamerikanische Transfer abgewickelt wird und es daher zu stunden- bis tagelangen Wartezeiten kommen kann.

Ein weiteres Thema, welches uns Freiwillige während unserer Arbeit in Nueva Guinea begegnen und uns vor Herausforderungen stellen wird, sind die ökologischen und daraus resultierenden ökonomischen Probleme im Land. Nicaragua ist im Besonderen vom Klimawandel betroffen. Besonders in der Trockenzeit (spez. Jan-Mär.) herrscht ein weit reichender Wassermangel, der durch das Anzapfen der letzten nicht ausgetrockneten Flüsse, noch verschlimmert wird. Die Absenkung des Grundwasserspiegels ist eine weitere Folge. Diese schlechten ökologischen Zustände resultieren u.a. von der starken Abholzung der Regenwälder. Es sind nur noch zwei größere Gebiete im Nord- sowie Südosten des Landes vorhanden. Der Westen ist heute bereits vollkommen entwaldetes Weideland und gehört damit zur Trockenzone Nicaraguas. Selbst der Sekundärwald wurde dort schon zu Feuerholz verarbeitet. Es besteht scheinbar bisher kaum ein Bewusstsein dafür, wie wichtig humide Waldstrukturen für das örtliche Klima sowie den Wasserhaushalt des Landes sind. Ganz nach dem Motto: „Erst wenn der letzte Fluss vergiftet, der letzte Baum gefällt und der letzte Fisch gefangen ist, werden wir merken, dass man Geld nicht essen kann.“ bereichert sich vor allem die mittelständische und reichere Bevölkerung an den letzten natürlichen Ressourcen des Landes. In den Städten wird konsumiert, während in in den ländlichen Regionen die Armut weiter steigt. Doch auch die ländliche Bevölkerung kann in Anbetracht der grenzwertigen Ausgangsbedingungen nur wenig nachhaltig handeln. Auch sie nutzen das Holz der letzten Regen- oder Sekundärwälder als Feuerholz und verwandeln Waldflächen zu Weideland oder zu Plantagen.

All diese Informationen basieren auf englischsprachigen Erzählungen, aus denen ich ein subjektives Bild über unser zukünftiges Zuhause (für das nächste Jahr) entwickelt habe. Ich bitte diese Informationen nur als ersten Eindruck wahrzunehmen, denn sie werden mit Sicherheit unkonkret bzw. unvollständig sein. In den folgenden Monaten werde ich sehen, welche dieser Erzählungen auf Tatsachen beruhen und von meinen Eindrücken berichten!

                                           Vamos a ver!

30.9.14 00:52


Ankommen in Costa Rica – Zurück zu meinen ersten Tagen in Mittelamerika

Hier nun mein erster Bericht aus dem tropischen Mittelamerika.

Nach einer anstrengenden 24-stündigen Reise von Berlin über Frankfurt, Puerto Rico, Panama bis nach Costa Rica bin ich endlich!!!!!! im Hostel „Ridgeway“ in San José eingetroffen. Es war am Samstag Nacht 24 Uhr - in Deutschland dagegen war es um diese Zeit schon Sonntag früh 8 Uhr. Mein Trekkingrucksack gehörte zu den fünf von sechs Gepäckstücken, die auf ihrer Reise lieber noch in den europäischen Metropolen verbleiben wollten. Er ist leider in Frankfurt stecken geblieben und kam erst 1,5 Tage später im Hostel in San José an.

Die ersten beiden Tage in Costa Rica verbrachten wir vier ersten Freiwilligen (Lubica, Bruno, Marit und ich) damit uns zu akklimatisieren und uns an die 8 Stunden Zeitverschiebung zu gewöhnen. Es ist erstaunlich, wie müde man nach einem „24-Stunden-Unterwegssein“ ist. Man ist im Flugzeug zwar nicht besonders aktiv, doch zum Schlafen kommt man im Wesentlichen auch nicht, da man immer wieder landet und umsteigen muss.

Der erste Tag in San José nutzten wir dann um uns ein wenig die Stadt anzuschauen und erste kleine Einkäufe zu machen (Arbeitssachen, Früchte und Co). Wir haben uns sehr über die leckeren und bunten Obst- und Gemüsestände erfreut, die unter anderem auch für uns fremde Früchte wie z.B. Marmon Chinos darboten. Der Montag war für die drei anderen Mitfreiwilligen etwas stressiger als für mich. Während ich den Vormittag nutzen konnte, um ein paar bürokratische Sachen zu erledigen und Emails zu schreiben, mussten sie Dokumente im Copyshop kopieren, Passfotos machen und zur Botschaft fahren, um ihren Visumsantrag abzugeben. 12Uhr - kaum zurück im Hostel, mussten wir spontan - innerhalb von einer halben Stunde - einen kleinen Rucksack mit dem wichtigsten Sachen packen und uns auf zum „Korridor“ machen. Da der Jeep in den Regenwald jedoch nur uns, und nicht auch noch unser Gepäck transportieren konnte, blieb das Hauptgepäck 3 weitere Tage in der Hauptstadt. Donnerstag sollten dann auch weitere 7 Mitfreiwillige aus Deutschland ankommen. Lustig an der spontanen Aktion von Pro Regenwald e.V. war, dass wir uns auf zum Busbahnhof machten, aber eigentlich niemand wusste, wo der Busbahnhof ist oder gar in welche Stadt wir fahren sollten. So kam es ebenso spontan dazu, dass wir einen späteren Bus nahmen und am Busbahnhof noch gemütlich vespern konnten. :D

 

Nun zu unserer ersten aufregenden Zeit im Regenwald in Carara – im Westen Costa Ricas:


Nach einer nur einstündigen Busfahrt von San José kamen wir in der überschaubaren Stadt Orotina an. Dort wurden wir schon von Fania (einer Freiwilligen, die schon seit dem Frühjahr im Regenwald arbeitet) erwartet, mit der wir einerseits unsere Gummistiefel für den Regenwald besorgten aber auch andererseits den Einkauf für die darauf folgenden Tage erledigten. DENN: Orotina ist nächstgelegendste Stadt, in der man die Lebensmittel für die Station des Korridor-Projektes besorgen kann. Sie ist 2 Stunden (ca. 36km) Fahrzeit von der Station entfernt. Hiervon fährt man jedoch nur 30min -16km auf einer befestigten Straße und die weiteren anderthalb Stunden-20km über eine steile und durch die starken Regenfälle ausgespülte Lehmpiste bergauf durch den Regenwald.

Diese Fahrt hat im Gesamten einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen. Zum einen deshalb, weil wir an dem Touristenhighlight dem „Rio Grande de Tarcolés“ gehalten haben und von der Brücke aus ca. 10-15 freilebende Krokodile beobachten konnten. Zum anderen war die Fahrt auf der Lehmpiste ziemlich einprägsam und abenteuerlich, da wir tolle Ausblicke zum Pazifik hatten, den Regenwald von oben mit Nebelwolken gesehen haben und weil es sehr schnell dunkel wurde.

Die Station im Korridor erreichten wir dann verschwitzt und etwas müde gegen 19Uhr. Dort wurden wir auch schon von Martin (dem zweiten Frühjahrsfreiwilligen) mit einem leckeren Abendessen erwartet. Das war – natürlich – Gallo Pinto, das typisch costaricanische Essen aus Reis und Bohnen, das es eigentlich immer zu Essen gibt.

Für die ersten 4 Tage hatten wir das Glück, die Station und den Regenwald noch in ihrer Ursprünglichkeit und Ruhe kennenzulernen. Sie liegt inmitten des Waldes und ist offen gebaut, sodass man alle Naturgeräusche, Lichter und Gerüche direkt wahrnimmt. Man hört die Vögel, ein dauerhaftes Zirpen und auch den mittelgroßen Fluss unterhalb der Station. Man wird mit dem ersten Tageslicht wach, schwitzt in der Vormittagshitze und hört den sturzbachartigen Regen, der in der Regenzeit so gut wie jeden Nachmittag ausmacht.

24 Stunden des Tages verbringen wir hier draußen an der frischen Luft. Es ist ein schönes Lebensgefühl so zu wohnen. Die Küche, der Aufenthaltsraum, die Betten, die Dusche... alles ist offen und direkt mit der Natur verbunden.

Natürlich bringt dies auch einige Schwierigkeiten mit sich, mit denen wir umzugehen erst einmal lernen mussten. Zum Beispiel wird die Kleidung über Nacht klamm oder nach dem Waschen auch nach 2 Tagen nicht richtig trocken. Bücher und Papier werden feucht, Leder und Stoffe schimmeln auf Dauer und auch elektrische Geräte nehmen die Luftfeuchtigkeit von 80-90% über längere Zeit übel.

Auch Tiere wie z.B. Schlangen können/ könnten jederzeit in die Station gelangen. Aus diesem Grund ist besonders in der Dämmerung und im Dunkeln Vorsicht geboten und Aufmerksamkeit oberste Priorität. Trotz allem es ist seeeeehr schön im Korridorprojekt in Carara!


 

10.9.14 23:44


Mein erster Blog - Hola mis amigos,

nun ist es endlich bzw. schon soweit: am 6.9.14 geht es in die Luft und ich verlasse unseren Kontinent für ein Jahr. Meine Mission: Ich möchte den realen Zustand von einem unserer letzten Urwälder (hier der Regenwald in Costa Rica/Nicaragua) erfahren, dabei helfen die letzten Reste davon zu bewahren und die durch die Organisationen bereits angeschobene Wiederaufforstung unterstützen. Dies sind kurzfristigen Ziele. Auf langfristige Sicht möchte ich dazu beitragen, dass zumindest bei einigen, besser jedoch bei möglichst vielen Menschen, ein Bewusstsein für die Konsequenzen ihres täglichen Handels und Konsums stattfindet. Idealerweise möchte ich sie dazu bringen „umzudenken“, zu reduzieren und dabei zu helfen, dass ihnen nahe stehende Menschen das Gleiche tun. Dies betrifft sowohl die lokale Bevölkerung in Nicaragua als auch UND VOR ALLEM uns in Großkonsumenten in Deutschland und Europa. (Alle anderen Bevölkerungsgruppen lasse ich hierbei außen vor, weil ich zu diesen keinen Bezug habe, und das Ganze dann zu pauschal und unkonkret wäre.)


Wozu das Ganze? Und warum arbeite ich nach meinem Bachelor- und Masterstudium nicht einfach in einem Architekturbüro und verdiene mein Geld – so wie es andere tun?

… Soll ich mit dem Wichtigsten oder Unwichtigsten beginnen? … Mit dem Unwichtigsten …

  1. Ich habe im Zuge meines Studiums gemerkt, dass ich nicht den ganzen Tag am Computer sitzen und brav meinen Job machen kann. Ich brauche als Ausgleich sowohl auch körperliche Arbeit als auch die kommunikative Arbeit mit Menschen.

  2. Im Laufe meines Landschaftsarchitekturstudiums aber vor allem auch im Zuge der Recherche und anschließenden Ausarbeitung meiner Masterarbeit wurde mir bewusst, dass ich als „Mensch“ etwas für die Verbesserung der Situation auf der Welt beitragen möchte. Mir wurde klar, dass das von mir gewählte Studium und die damit verbundene Berufsausrichtung Landschaftsarchitektur dies jedoch nicht gewährleistet. Es klingt zunächst so, doch die Landschaftsarchitektur beschäftigt sich, vereinfacht dargestellt, zumeist mit der GESTALTUNG von Grün- und Stadtflächen.

    Meine Frage an dieser Stelle war und ist: Was macht es für einen Sinn unsere Umgebung herrlich zu gestalten, wenn u.a. durch die Abholzung und Brandrodung der Urwälder der Klimawandel in 15-20 Jahren soweit fortgeschritten ist, dass wir und unsere Kinder ganz andere Sorgen haben werden?!

    Ich möchte daher meine zukünftige Arbeit im Bereich der Nachhaltigkeit, des Umwelt- und Klimaschutzes fortführen.

  3. Als dritten Punkt wollte ich eigentlich die wesentlichen Gründe aufführen, die dafür verantwortlich sind, dass wir uns überhaupt mit den Konsequenzen unseres Handelns beschäftigen müssen. Ich habe diese jedoch erstens schon indirekt genannt und möchte sie zweitens im Zuge des folgenden Jahres lieber konkretisieren.
    Zusammenfassen könnte man es aber folgendermaßen: WIR LEBEN ÜBER UNSERE VERHÄLTNISSE! Und zerstören dabei unsere Lebensgrundlage – die Erde mit samt ihrer Natur und Artenvielfalt. Dagegen muss JEDER etwas beitragen und ich fange jetzt damit an!


Jetzt kommt ein paar Informationen zu meinem Freiwilligendienst in Nicaragua:


Organisation & Co: Ich mache diesen Freiwilligendienst zusammen mit 17 anderen Freiwilligen im Alter von 18 bis 29 Jahren. Wir fliegen über das weltwärts-Programm des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Entsendet werden wir über den Verein ProRegenwald e.V. aus München, der für alles Organisatorische und für persönliche Krisen unser deutscher Ansprechpartner ist. ProRegenwald hat aber auch Kooperationen mit den vor Ort bereits tätigen Organisationen wie zum Beispiel Fedeagua oder Arbofilia. Diese sind zusammen mit unseren Arbeitgebern unsere Ansprechpartner im Land selbst.


Ort: Mein Freiwilligendienst werde ich zusammen mit Julian auf der Finca Esperanzita nahe der Stadt Nueva Guinea im Südosten Nicaraguas machen. Alle anderen Freiwilligen halten sich verteilt auf ca. 7 weitere Standorte in Costa Rica auf.
Die ersten 2 Wochen des Freiwilligendienstes verbringen wir jedoch zusammen im sogenannten „Korridor“ in Carara im Westen Costa Ricas. Dort machen wir einen Spanisch-Kurs, der uns auf das Schlimmste vorbereitet. Ein wenig mehr zum Korridor findet ihr hier: http://www.pro-regenwald.de/news/2011/06/24/9500_Baeume_gepflanzt


Ziele: Grundsätzlich muss gesagt werden: Der Freiwilligendienst ist keine Entwicklungshilfe! Er versteht sich hauptsächlich als Lerneinsatz, bei dem natürlich zunächst einmal nur die Freiwilligen proditieren. Denn sie lernen eine neue Sprache, eine neue Kultur, ein neues Land mit seiner herrlichen Flora und Fauna kennen. Die Bereicherung und tatsächliche Hilfe entsteht erst, wenn die Freiwilligen, durch ihre andere Sichtweise, Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten vor Ort erkennen und diese ZUSAMMEN mit der lokalen Bevölkerung ins Rollen bringen.

Das BMZ profitiert insofern nur davon, als dass die rückkehrenden Freiwilligen durch ihre neu gewonnene offene Sichtweise unseren Arbeitsmarkt bereichern und sich im besten Fall auch hierzulande für den Umweltschutz einsetzen.

Aufgaben: Meine Aufgaben auf der Finca Esperanzita bestehen voraussichtlich in folgenden Aufgaben: Biolandbau, diversifizierte Agroforstwirtschaft, Ökologische Schafzucht, Umweltbildungs, Schulungen, Landwirtschaftliche Tätigkeiten, Lobbyarbeit und den Aufbau von Ökotourismus, Gewürztrocknung, Ingwertrocknung, Regenwurmfarm etc. Der Aufgabenschwerpunkt wird angepasst nach den Sprachkenntnissen, den persönlichen Interessen und Fähigkeiten des einzelnen Freiwilligen (quasi von mir).


Finanzierung: Finanziert wird der Einsatz zu 75% über das BMZ. Damit die restlichen 25 Prozent nicht gänzlich von der Entsendeorganisation Pro Regenwald getragen werden müssen, sind wir als Freiwillige dazu angehalten, über Spenden und Förderer einen Teil der Kosten (ca. 150€/Monat) selbst einzuwerben. Dies kann über Unternehmen o.ä. oder auch über private Förderer geschehen. Die Gedanken dahinter sind folgende: Zum Einen wird der Verein finanziell entlastet. Zum Anderen (und dies ist der Hauptgrund) ist es das Ziel, dass wir unseren Einsatz für den Regenwald publik machen und die Menschen in unserer Umgebung für die problematische Situation unserer Regenwälder sensibilisieren.


150€ pro Monat das sind auf 30 Tage pro Monat gerechnet 5€ pro Tag. Also nur ein kleiner Beitrag für den Regenwald. Das ist es der Regenwald und unsere wertvolle Umwelt wert.

Wer meinen Projekteinsatz also unterstützen möchte, kann sich gern bei mir melden und mir gern spezielle Tage (Meinen Geburtstag, Ehrentage, Weihnachten...) davon „schenken“. Ihr könnt meinen Projekteinsatz dann unter meinem Blog: oder dem Blog der gesamten Freiwilligen forestguardians.net/blog. verfolgen.


Eine andere Möglichkeit etwas für den Regenwald zu tun ist die Wiederaufforstung von gerodeten Waldflächen. Hierzu schreibe ich später im Blog ein wenig mehr.


Ich wünsche euch bis dahin das Beste und freue mich wenn ihr meinen Blog in euren Emailverteiler aufnehmt.


Eure Sarah

1.9.14 22:03





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