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Die Zeit rennt...

Einen Einblick in das Arbeitsleben einer Freiwilligen

 

Nun ist es wieder so weit, nach bestimmt anderthalb Monaten komme ich dazu, meinen Blog um einen Beitrag zu erweitern. Es ist erstaunlich, wie schnell Woche um Woche vergeht. Die Zeit rennt schneller als ich die notwendigen Aufgaben abarbeiten kann.

Doch was genau macht eine Freiwillige, die sich in Nicaragua Stück für Stück für die Umwelt einsetzt? Was macht Sie an einem Ort namens Nueva Guinea, an dem die konventionelle Landwirtschaft, Viehhaltung und Besiedlungen vor 50 Jahren den Regenwald verdrängt haben und im Zuge des Baus des Nicaraguakanals auch zukünftig weiter verdrängen werden?

Meine Aufgaben hier sind so vielfältig, wie es Wochentage gibt. Natürlich stehe ich nicht am Rande des Biosphärenreservates und stelle mich solchen Bauern in den Weg, die durch Abholzung kurzweilig neue Flächen für Viehweiden und die Anlegung von monokultiver Landwirtschaft gewinnen. Meine Arbeit besteht stattdessen hauptsächlich in der Unterstützung der lokalen Biobauernorganisation „Sano y Salvo“ (gesund und munter), die sich präventiv für die Ausweitung der biologischen Landwirtschaft in Form des Agroforstes einsetzt.

Was bedeutet dies genau? Wir befinden uns im Südosten Nicaraguas, in einer Region der feuchten Tropen, deren Ökosystem normalerweise aus Regenwald besteht. Die Degradierung (Zerstörung bzw. Umformung) dessen zugunsten von Landwirtschaft zieht allerdings Probleme wie Bodenerosionen und Unfruchtbarkeit des Bodens nach sich, die schon wenige Jahre nach der Umformung auftreten. Dem unfruchtbaren Boden treten 99,7% der Bauern mit chemikalischen Düngemitteln entgegen. Bauen sie zudem Produkte (wie z.B. Ananas oder Kaffee) in Form der Monokultur an, setzen Sie zusätzlich Schädlingsbekämpfungsmittel ein. Diese Form der Landnutzung ist jedoch nur zeitlich begrenzt möglich. Anschließend liegen die Flächen meist brach und die Bauern müssen auf neues Land ausweichen.

Eine Lösung die weitere Urbarmachung von Primärwald zu verhindern, ist die Verbreitung der Anbaumethode der Agroforstwirtschaft. Bei diesem Produktionssystem werden Elemente der Landwirtschaft mit der der Forstwirtschaft kombiniert. Das bedeutet, dass Schatten spendende mehrjährige Hölzer (Fruchtbäume, Palmen und Nutzhölzer) mit einjährigen Nutzpflanzen kombiniert angebaut werden. Der Vorteil dessen ist, dass die Humusschicht und damit Fruchtbarkeit des Bodens erhalten bleibt, Austrocknung vermieden wird und somit eine dauerhafte Bewirtschaftung möglich ist. Durch die Aufforstung wird zudem Stück für Stück ein kleiner Beitrag für die Umwelt und gegen die Klimaerwärmung geleistet, da die zusätzlichen Hölzer CO2 binden und Sauerstoff produzieren.

All dies klingt zunächst ausschließlich positiv, oder? Der Haken ist jedoch der, dass die Bewirtschaftung innerhalb eines waldähnlichen Systems zum einen wesentlich umständlicher ist, zum anderen durch die Biodiversität viel mehr Produkte mit kleineren Erträgen erzielt werden.

Meine Arbeit bei Sano y Salvo und in der Stiftung Esperanzita mit ihrer Modellfinca besteht daher vor allem in der Unterstützung der Verbreitung und Akzeptanz der Agroforstsysteme. Die Aktivitäten hierfür sind sehr vielfältig, finden aber im Wesentlichen auf der Finca Esperanzita, dem örtlichen Bauernmarkt sowie im Büro statt. Neben der wöchentlichen Zusammenkunft mit unserem Verantwortlichen und der monatlichen Partizipation an Vereins- und Biobauernversammlungen sind meine Arbeitsaufgaben bisher folgende:

  1. Arbeit auf der Modellfinca Esperanzita:
    - Ziel ist es die Arbeitsabläufe einer organischen Produktion einmal kennenzulernen, um schließlich Verbesserungsvorschläge zu den Produktionsabläufen machen zu können. Bisher durfte ich V., dem Hauptangestellten der Finca, bei der Ernte, Selektion und Fermentation von Kakao helfen. Darüber hinaus habe ich die Arbeit des Kakaobaumbeschnittes kennengelernt und bei der Nachpflanzung von Kakao-, Kaffee- und Mamón Chinobäumen geholfen. Die Ernte der Perjibaye sowie Mamón Chino usw. gehört genauso zu der Arbeit auf der Finca, wie das Herstellen von Zimt. Da gegenwärtig die Kaffeesaison beginnt, werde ich mich wahrscheinlich bald auch bei der Ernte des Kaffees beteiligen.

  2. Mitarbeit für, Verkauf auf und Aufbesserung der Produkte für den Mercado Campesino:
    Alle zwei Wochen arbeite ich auf dem, immer freitags stattfindenden, örtlichen Markt der Bauern. Dort werden ohne Zwischenhandel die Produkte direkt an den Verbraucher verkauft. Genau wie auf der Finca zielt die Mitarbeit meinerseits darauf ab, die Produkte, Preise, Abläufe sowie Nachfrage kennenzulernen und diese Kenntnisse in die Kalkulation der Produktionskette einfließen zu lassen.
    Zu dieser Arbeit gehört auch die Erweiterung des Marktes mit neuen Produkten, die möglicherweise ein Zusatzeinkommen für die Esperanzita generieren könnten. Meine erste Idee war die Herstellung von Marmelade und Gelee aus Biofrüchten der Esperanzita wie z.B. Viriba, Kokos, Bananen oder Mamón Chino. Später kamen weitere Testläufe zur Produktion von Sirup aus Kokoswasser und -fleisch, Zitrusfrüchten und Vanille hinzu.

  3. Besuch der Mitglieder von Sano y Salvo, Durchführung der „Inspección Interna“ und Zählungen des Kakao- und Kaffeebestandes:
    Unter der Inspektion verstehen sich der jährliche Besuch und die Begutachtung/Kontrolle der organischen Fincas, die bereits Mitglieder bei Sano y Salvo sind. Hierbei wird der Zustand der Finca (Pflanzen, Düngemittel, Tiere,...) erfasst. Um einen externen Blick zu gewährleisten, werden in der folgenden Inspektionsperiode Julian und ich die jeweiligen Zuständigen begleiten.
    Seit den letzten beiden Wochen führen wir zwei dagegen allein die Inspektion der Vorbild-Finca La Esperanzita, die dürftig gepflegte Nachbarfinca von E.R. sowie demnächst die kleine Finca von A.R. durch. Hierbei steht vor allem die Zählung der gewinnbringenden Exportprodukte Kaffee, Kakao und Vanille im Vordergrund. Ziel dessen ist es, den Agroforst als alternative Entwicklungsoption gegen den Bau des Nicaraguakanals aufzuzeigen.

  4. Büroarbeiten:
    Ca. 60% der wöchentlichen Arbeitszeit verbringe ich im „Büro“ - d.h. hauptsächlich vor dem Computer. Unser Büro befindet sich in einem Extrazimmer in unserem Haus, da bei Sano y Salvo nur unzureichend Platz für zwei Freiwillige wäre. Zudem ist die technische Ausstattung (Wlan) dort eher dürftig. In dieser bürokratischen Arbeitszeit fallen vor allem Zuarbeiten für die GATO (Grupo de Asistencia Técnica Orgánica de Sano y Salvo - dt. Gruppe zur Hilfe organischer Technik), konzeptionelle Arbeiten, Berichterstattungen sowie der tägliche Schriftverkehr zwischen den Organisationen an. In der Vergangenheit habe ich hier zusammen mit meinem Mitfreiwilligen eine 12-seitige Informationsbroschüre der örtlichen Stiftung für ökologische Bildung (Edu-Eco-Alliance - wozu auch die Esperanzita gehört-) aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Darüber hinaus recherchiere ich nach Sponsoringmöglichkeiten mit denen zum einen die Beratungsbesuche der Biobauern, Workshops sowie eine Grundausstattung neuer Biobauern von Sano y Salvo finanziert werden können. Daran anknüpfend suche ich nach Partnern, die für das vorhandene Speicherpotenzial der Agroforstflächen Kompensationszahlungen leisten oder die Aufforstung hunderter Kilometer entwaldeter Flussufer finanzieren würden.
    Eine andere Aufgabe besteht in der computertechnischen und wissenschaftlichen Begleitung des Koordinators O.L. von Sano y Salvo während seines zweijährigen Fernseminars des INOFO Programms (dt. Internationales Netzwerk organischer Farmer Organisationen
    ). Hierbei muss er zwei Hauptaufgaben bearbeiten: Zum einen wird er während dieser Zeit ein Projekt durchführen, innerhalb dessen er die Qualität und Quantität der ökologischen Produktion bei den ca. 108 Sano y Salvo-Mitgliedern in der südöstlichen Biosphäre Nicaraguas (RAAS) erhöhen will. Zum anderen soll er bis zum Anfang des Jahres 2015 all solche Bauernorganisationen in Zentralamerika identifizieren, die die Agrarökologie fördern / praktizieren und organisch produzieren.
    Neben den freiwilligen Arbeiten, die ich für den örtlichen Verein leiste, muss ich mit meiner Entsendeorganisation regelmäßig Kontakt halten. Dazu kommt die tägliche Führung eines vorgefertigten Tagebuches, die bestenfalls wöchentliche Erstellung eines Blogs, monatliche Endabrechnungen, monatliche spanische Arbeitsberichte für die Mitglieder des örtlichen Vereins und quartalsweise Berichterstattungen für das BMZ. Darüber hinaus sind wir vertraglich dazu angehalten, einen Teil der Kosten die wir dem kleinen Verein Pro Regenwald verursachen durch die Akquirierung von Spenden auszugleichen. Diese Verpflichtung zielt jedoch vor allem darauf ab, unsere freiwillige Arbeit und den Zustand unserer Umwelt bekannt zu machen. Auch andere Menschen sollen sich für unsere Welt interessieren und vor allem dafür verantwortlich fühlen!
    Hieran anknüpfend zählt es zu meinen Aufgaben mich bestmöglich über die Vorgänge vor Ort (und ggf.) international zu informieren, diese zu sammeln und international zu „publizieren“. Dies betrifft insbesondere die Thematik des Baus des Nicaraguakanals, der hier in Nicaragua ein ökologisches sowie auch soziales Desaster (Vertreibung der Bauern von ihren Fincas) produzieren wird.

  5. Zukünftige kreative Arbeiten
    Als ehemalige Architekturstudentin sowie mal- und layoutbegeisterte Freiwillige gehören auch andere kleine kreative Aufgaben zu meiner Arbeit. In diesem Sinne werde ich zukünftig das Schild der lokalen ökologisch orientierten Montessorischule (170 x 90cm) sowie das der Esperanzita (200 x 400cm) neu malen.
    Darüber hinaus soll eine Broschüre über die
    Pflanzen im Agroforst der Esperanzita, sowie über die ökologische Produktion hier entstehen. Um die Darstellung des Vereins Sano y Salvo nach außen hin repräsentativer zu machen, ist es auch mein Ziel für diesen eine informative und aussagekräftige Homepage zu erstellen. (Wen jemand darin bereits Erfahrung hat und mich dabei unterstützen möchte, bitte melden!).


Geschafft! Nun haben Sie, liebe Leser, einen Eindruck, was ich als umweltinteressierte Freiwillige in Nicaragua täglich mache. Und vielleicht versteht der eine oder andere auch, dass die Zeit in Anbetracht dieses Aufgabenkataloges zwischen den Finger wegrinnt. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn Ihrerseits Fragen entstanden sind und diese unten kommentiert werden. Gern soll sich hier eine rege Diskussion entwickeln und Unklarheiten bereinigt werden. Ich möchte wissen, was die Menschen in den Entwicklungsländern wissen wollen, und wo ein weiterer Aktionsradius besteht. Denn: Unsere Umwelt und die Produktion unseres Essens ist viel zu wichtig, als das wir uns zu den Umständen nur belesen sollten. Wir müssen versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu handeln!

22.12.14 17:21
 
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